Erich Kolmhofer: „Studium ist großer Intelligenztest“
 

(14.7.2020) Die Interessen von Dr. Erich Kolmhofer waren schon immer breit gestreut, das Mechatronik-Studium also wie für ihn gemacht. Trotz einer gewissen Neigung zur Elektrotechnik, die ihm bis heute erhalten blieb, hat er von der ganzen Breite der Mechatronik stark profitiert.

Bevor er aber so richtig loslegen konnte, hieß es noch ein Jahr zu überbrücken, denn das Mechatronik-Studium an der JKU war noch gar nicht gestartet. Also wurde zuerst einmal Informatik inskribiert.

Das Mechatronik-Studium selbst empfand Kolmhofer dann schon als sehr anspruchsvoll. Und er sieht es nicht unbedingt als Nachteil, dass er als AHS-Absolvent keine einschlägige technische Vorbildung mitbrachte, „denn ich hatte aus dem Gymnasium auf jeden Fall einen sehr guten Grundstock in Mathematik mitbekommen, und die Studienkollegen aus der HTL hatten anfänglich allgemein ohnehin die Tendenz, die Anforderungen im Studium doch etwas zu unterschätzen“.

Zwei Jahre lang während des Studiums lag der Fokus dann mehr auf astronomischen Beobachtungen – „meine Eltern waren da sehr tolerant“ – bevor Kolmhofer die Diplomarbeit in der Hochfrequenztechnik verfasste und dort auch eine Assistentenstelle bekam. „Selten ist etwas, das man lernt, wirklich umsonst, und auch wenn mein Interesse immer eher im elektronischen Bereich lag, war mir später zB doch das Verständnis für mechanische Phänomene auch immer wieder nützlich“, sagt Kolmhofer.

Nach der JKU arbeitete Kolmhofer sich bei Infineon bzw. DICE vom Entwicklungsingenieur zum Teamleiter, Abteilungsleiter und Managing Director hoch. War er durch das Studium auf eine Führungsposition vorbereitet? „Ich denke, Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen kann man jemandem sowieso schwer beibringen. Was es aber für Mitarbeiterführung auch braucht, ist zB Wissen im Arbeitsrecht. Das haben wir im Studium natürlich nicht mitbekommen. Allerdings bekleiden ja auch nicht alle Absolvent*innen eine Führungsposition, also ist das etwas, was man sich eher selbst aneignen muss“. Als Führungskraft ist Kolmhofer gegenüber seinen Mitarbeit*innen immer wichtig zu betonen, dass es für eine erfolgreiche „Karriere“ nicht unbedingt darauf ankommt, möglichst viele Mitarbeiter*innen zu haben. „Es gibt auch eine ‚technische Karriere‘, wo man sehr viel Einfluss darauf hat, dass Projekte gut laufen. Das ist für ein Unternehmen genauso wichtig, wie Führungskräfte, die viele Mitarbeiter*innen unter sich haben.“ 

Vor kurzem hat Kolmhofer zur kanadischen LeddarTech gewechselt und ist Standortleiter hier in Linz. Hier wird an der Lidar Sensor Technology gearbeitet, also an anwendungsspezifischen integrierten Schaltungen, bei denen die Abstandsmessung nicht über Radar sondern mit Licht funktioniert. „Die Optik ist für mich eine neue Komponente, wo ich jetzt noch dazulernen darf.“

Im Moment ist der Betrieb durch Corona etwas gebremst. Alle Mitarbeiter*innen sind im Homeoffice tätig. „Das hat zwar schon auch Vorteile, allerdings bleiben die kreativen Prozesse etwas auf der Strecke“, sagt Kolmhofer. „Mir ist es schon oft passiert, dass sich aus irgendwelchen Blödeleien mit Kolleg*innen etwas entwickelt hat, das dann gut funktioniert hat, einmal haben wir sogar ein Patent angemeldet auf eine Entwicklung, die aus einer solchen Blödelei entstanden ist.“

Ein Thema, das ihn auf allen bisherigen Stationen begleitet hat, ist der geringe Frauenanteil in der Technik. „Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass eine Frau im Team das Gesprächsklima etwas beruhigt. Allerdings habe ich leider auch nicht die zündende Idee, was man über all die bestehenden Maßnahmen hinaus noch machen könnte, um mehr Frauen und überhaupt mehr junge Leute für technische Studien und Berufe zu interessieren“. Dass die Jobaussichten toll sind, ist für viele offensichtlich nicht Anreiz genug, „und man soll ja auch das studieren, was einen wirklich interessiert. Andererseits muss ich auch sagen, dass es schon angenehm war, dass ich mich auf keine der Stellen, die ich bis jetzt bekleidet habe, selbst beworben habe, sondern immer von anderen gefragt wurde.“

Zu seiner Alma Mater pflegt Kolmhofer nach wie vor Kontakt. „Ich finde es sehr gut, dass jetzt das Maschinenbau-Studium kommt, das war ja überfällig, bei der industriellen Umgebung, die wir hier in Linz haben“.