schließen

Symposion

"BOTS OR NOT BOTS? ? Politik, Demokratie & Wahlen im Zeitalter ihrer digitalen Produzierbarkeit"

Mit der Entwicklung des Internets wurden von Beginn an sozialutopische Hoffnungen und Verheissungen verbunden: "Demokratisierung gesellschaftlicher Strukturen, .. Aufhebung der Machtgefälle zwischen Mann und Frau, Stadt und Land, Metropole und Provinz, Erster und Dritter Welt" (z.n. Fröhlich 1997). De facto beobachten wir jedoch eine mediale Machtkonzentration wie nie zuvor. Auch auf die vielbejubelten "Big Data"-Ressourcen haben nur ganz wenige EigentümerInnen bzw. deren OperatorInnen Zugriffsberechtigungen.

Manche Medienphilosophen wie z.B. Vilém Flusser haben zwar Netzkommunikation an sich richtig vorhergesagt, aber sie unterstellten dabei techno-optimistisch Egalität, und Kommunikation zwischen Menschen - zwischen Menschen, die miteinander aus freien Stücken und ehrlichem Interesse kommunizieren möchten.

Das Internet, und vor allem das für Politik relevante Internet, wird aber immer mehr zu einem "auto-poietischen" System im Sinne von Luhmann: Software kommuniziert mit Software, die dann mit uns UserInnen. Noch benötigen die Programme menschliche HelferInnen; Schlecht bezahlte Clickworker aus Asien ("Trolls") schieben z.B. Online-Spiele an, die der massenhafter Erhebung von Psychogrammen zwecks zielgerichteter individualisierter politischer Propaganda dienen, solange, bis sich "echte" UserInnen einfinden. Etwas besser bezahlte Werbe- & Kampfpostern geben sich als UserInnen aus, wirken jedoch als verdeckte PropagandistInnen bzw. WerberInnen. Im Internet, in Diskussionforen von Zeitungen, in Blogs sind jedenfalls immer mehr BOTS (Meinungsroboter = Programme, die UserInnen simulieren) und ähnlichen Programme (die z.B. PolitikerInnen 10 000ende scheinbar individuelle, von unterschiedlichen WählerInnen stammende Protestmails senden können) tätig, zwecks massiver Beeinflussung von Politikerinnen, Wählerinnen und SponsorInnen. Dabei spielen erfundene "Nachrichten" (FAKE NEWS) und Cyberwar-Technologien eine immer grössere Rolle.

Wir wollen in den Workshops dieser Tagung zusammen mit Fachleuten aus Informatik/Informationswissenschaft und mit Social Media-Aktivistinnen die Funktionsweise dieser Manipulationstechniken durchschauen lernen. Wie können wir herausfinden, ob eine Botschaft von Menschen oder von einem Bot stammt, von "echten" Usern oder von bezahlten Propagandisten? Wie können wir uns davor schützen, dass Big-Data-Firmen alles über uns herausfinden können - weil wir es ihnen freiwillig/Unfreiwillig mitgeteilt haben? Wir möchten aber auch versuchen, Hoffnungsschimmer im Sinne demokratischer Partizipation auszumachen: Welche Möglichkeiten haben wir, diesen negativen Entwicklungen (einer Mischung aus Kafka, Orwell und Huxley) entgegenzutreten? Welche Möglichkeiten bieten sich uns, gegen Sexismus und Rassismus, Diskriminierung in allen Varianten und für die Stärkung des Menschenrechtsbewusstseins und des demokratischen Handelns einzutreten?

 

Programm

Donnerstag, 26. 4. 2018
LOFT C, Uni-Center, Johannes Kepler Universität, Linz

10:00 - 13:00 Uhr

SCIENCE DATINGS (Lernen Sie eine/n ReferentIn in 20 Minuten näher kennen & Radiointerviews)

 

Anschließend Mittagspause (Mensa im EG)

15:00 Uhr

Informelles Kennenlernen der ReferentInnen &TeilnehmerInnen bei Kaffee und Keksen

15:30 Uhr

WORKSHOP 1: PRÄ-DIGITALE POLITIK: Beeinflussungen, Manipulationen etc.

  • Gerhard Fröhlich, Johannes Kepler Universität, Linz: Wahl-und Meinungsbeeinflussung in der vordigitalen Ära
     
  • Regina Tauschek, Bagdad: Wahlbeobachtung im globalen Südenvor dem digitalen Wandel

 

anschl. Kaffeepause

17:30 Uhr

WORKSHOP 2: Digitale Hoffnungsschimmer? (Afrika,Guerilla)

  • Martina Kainz, Schlesische Universität, Katowice: Digitales Afrika – Die Licht- und Schattenseiten
     
  • Thomas Duschlbauer, FH St. Pölten / Christian F.Freisleben-Teutscher, Linz / Barbara Larcher, Ansfelden: Guerilla-Taktiken in der Kommunikation
 

 


Freitag, 27. 4. 2018
LOFT C, Uni-Center, Johannes Kepler Universität Linz

9:30 – 12:30 Uhr

SCIENCE DATINGS (Lernen Sie eine/n ReferentIn in 20 Minuten näher kennen & Radiointerviews

13:00 Uhr

WORKSHOP 3: Menschen und virtuelle Maschinen

  • Gerhard Fröhlich, Johannes Kepler Universität, Linz: Techno-Optimismus und Techno-Determinismus: Vilém FlussersInternet-Prophetien und was aus ihnen wurde
     
  • Andreas Roser, Universität Passau: Warum sprechen Menschen mit Maschinen?
     
  • Claus Harringer, Johannes Kepler Universität, Linz: „Good BOTS, Bad BOTS?“ Zur Problematik von BOT-Ontologien
 

ca. 15:00 Uhr

Kaffeepause

ca. 15:30 Uhr

WORKSHOP 4: Big Data, Bots und Vertrauen

  • Klaus Wiegerling, Universität Kaiserslautern / ITAS Karlsruhe: Big Data, Bots und Systemvertrauen
     
  • Niklaus Dürk, x-net, Linz: Die digitale Versklavung der europäischen Gesellschaft
     
  • Michael Kreil, Berlin: Social Bots, Fake News, Filterblasen
 

Zeit:
 

Do. 26. 04. 2018
Fr. 27. 04. 2018

Ort:
 

Johannes Kepler Universität Linz
Uni-Center
LOFT C

MEDIENREAKTIONEN UND BERICHTE:

Print: Die Demokratie im digitalen Chaos, Standard - Forschung Spezial, Ausgabe: Mittwoch, 2. Mai 2018, S. 11
Online: Von Filterblasen und Fake-News

Der Mensch als BOTaniker?, Citymagazin Linz.Wels.Steyr, April 2018, S.24
Online: /Froehlich-bots-City-Magazin-Ausgabe-2018-04-LINZ.pdf

Radiobeiträge:

Maschinen als ideale Gesprächspartner - Eine Philosophie der Bots., Ö1 - Sendereihe: Digital Leben, Gestaltung: Lukas Plank, 30. April 2018, Online: Digital.Leben - Maschinen als ideale Gesprächspartner

Good Bot. Bad Bot., Radio FRO - Sendereihe: FROzine, Gestaltung: Pamela Neuwirth, 26. April 2018,
Online: FROzine - Good Bot. Bad Bot., Einzelbeitrag unter: Bot or Not Bot

Interview:

Mut zum Unverständnis, "Digitale Welt" Themenspecial, Sonderheft der Wirtschaftsnachrichten 3/2018, S.66-68
Online: /FroehlichMutZumUnverstaendnisDigitaleWelt.pdf

Ankündigung:

"BOTS or NOT BOTS? Politik, Demokratie & Wahlen im Zeitalter ihrer digitalen Produzierbarkeit" unter: Pressetext.com
Online: Symposion 2018

Plakat Symposion Bots or not Bots Plakat Symposion Bots or not Bots ©fraganzy : visuelle konzepte (Ingrid Ott) web: www.fraganzy.com