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Institut für Soziologie
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Forschung

Forschungsfelder

Methoden

Entwicklung von Erhebungs- und Auswertungstechniken für quantitative Daten, Software-Entwicklung, komplexe Stichproben, Datenfusion, Methodenexperimente, Qualitative Inhaltsanalyse, Qualitative Sozialforschung

Anwendungsgebiete

Gesundheitsforschung, Familienforschung, Kindheits- und Jugendsoziologie, Bildungs- und Arbeitsmarktforschung, Delinquenz und Kriminologie, sozialpolitische Forschung und Maßnahmenevaluation

Aktuelle Forschungsthemen

Methodenforschung

Die Methodenforschung ist seit Jahrzehnten ein zentrales Standbein der Abteilung. Sie wurde mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen durchgeführt. In der Ära von Prof. Holm (1972-2002) lag der Fokus auf der Datenanalyse und der Entwicklung des Statistikprogramms ALMO.

 

Mit der Berufung von Prof. Bacher traten andere Themen in den Vordergrund. Ein Themenbereich umfasst die Entwicklung und Validierung von Messinstrumenten zu unterschiedlichen theoretischen Konzepten, wie Health Literacy (z.B. Gerich/Moosbrugger 2018), Mitbestimmung in der Schule (z.B. Wetzelhütter/Bacher 2015), Wertorientierung und Wertetransmission, Präsentismus (z.B. Gerich 2015) und „Disabilities“ (Beeinträchtigungen, Fellinger u.a. 2021, Forstner 2022).

 

Einen festen Bestandteil der Methodenforschung bildet die Mitwirkung an repräsentativen wissenschaftlichen Umfragen, wie dem Sozialen Survey Österreichs. Hierbei werden Erfahrungen mit der praktischen Durchführung von wissenschaftlichen Umfragen gesammelt und vor dem Hintergrund der Methodenliteratur reflektiert (z.B. Prandner 2022, Prandner/Weichbold 2019). Weitere Forschungen beschäftigten sich mit neuen Auswertungsverfahren, wie mit der Analyse von komplexen Stichproben (z.B. Bacher 2009), neuen Verfahren der Clusteranalyse (z.B. Bacher/Pöge/Wenzig 2022) oder der Fusion von Daten (z.B. Bacher/Prandner 2018).

 

Neben der quantitativen Sozialforschung stellt die qualitative Sozialforschung in der Zwischenzeit ein weiteres Standbein der Methodenforschung der Abteilung dar. Dieser Bereich konzentriert sich derzeit einerseits auf Mixed-Method-Designs (Hasengruber/Aigner 2022), andererseits auf die Auswirkungen der Digitalisierung für die Anwendung von qualitativen Methoden. Zentral werden diesbezüglich sowohl neue Methoden der Netnographie als auch die Konsequenzen für Interviewprozesse (digital vs. Face-to-face) behandelt.

 

Während - dem internationalen Trend folgend - die Entwicklung von Methoden und ihre Anwendung die Methodenforschung der Abteilung dominierten, rückten in den letzten Jahren zwei neue, stärker inhaltliche Forschungsfelder in den Vordergrund. Einerseits kommt es zu einer Auseinandersetzung mit der Methodenlehre in den Sozialwissenschaften, insbesondere welche Rolle dabei den sogenannten Computational Social Sciences zukommt (z.B. Prandner/Seymer 2020) und wie die fortschreitende Digitalisierung auch in der Methodenlehre Veränderungen und Innovationen anregt (z.B. Prandner/Hasengruber 2021). Andererseits werden wissenssoziologische Fragestellungen nach der Verankerung und dem Stellenwert der empirischen Sozialforschung an österreichischen Hochschulen diskutiert (Prandner et al. 2020). Diese Arbeit wird auch in internationalen Kooperationen wie dem  dem Ethnic and Migrant Minorities Survey Data Registry, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster reflektiert und aufgegriffen. 

 

Finanzierung: Ministerien, EU, Eigenprojekte usw.

Mitwirkende Abteilungsmitarbeiter*innen: Petra Aigner, Johann Bacher, Matthias Forstner, Joachim Gerich, Katrin Hasengruber, Robert Moosbrugger, Dimitri Prandner

Kooperationspartner: Universität Graz, Universität Salzburg, Universität Wien, AUSSDA – the Austrian Social Science Data Archive, Sciences Po Paris - Centre for European Studies and Comparative Politics

Kontaktperson: Johann Bacher

 

Ausgewählte Publikationen:

 

Bacher, J. (2009). Analyse komplexer Stichproben. In: M. Weichbold, J. Bacher & C. Wolf (Hrsg.), Umfrageforschung. Herausforderungen und Grenzen (Österreichische Zeitschrift für Soziologie Sonderheft, Bd. 9). Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwissenschaften, 253-274.

 

Bacher, J., Pöge, A., Wenzig, K. (2022). Unsupervised methods. Clustering methods. In: U. Engel, A. Quan-Haase, S. Xun Liu & L. Lyberg (Eds.), Handbook of computational social science Volume 2. Data Science, Statistical Modelling, and Machine Learning Methods. London: Routledge, 334-351.

 

Bacher, J., Prandner, D. (2018): Datenfusion in der sozialwissenschaftlichen Wahlforschung, OZP – Austrian Journal of Political Science 47 (2), 61–76, doi.org/10.15203/ozp.2025.vol47iss2 , öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster

 

Fellinger, J., Dall, M., Gerich, J., Fellinger, M., Schossleitner, K., Barbaresi, W.J., Holzinger, D. (2021). Is it feasible to assess self-reported quality of life in individuals who are deaf and have intellectual disabilities? Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology 56, 1881-1890, doi.org/10.1007/s00127-020-01957-y

 

Forstner, M. (2022). Biophänomenosoziales Modell von Behinderung. Zeitschrift für Disabiity Studies 1/2022 (in print).

 

Gerich J., Moosbrugger, R. (2018): Subjective Estimation of Health Literacy – What Is Measured by the HLS-EU Scale and How Is It Linked to Empowerment? Health Communication 33 (3), 254-264. DOI: 10.1080/10410236.2016.1255846

 

Gerich, J. (2015). Sick at Work: Methodological Problems with Research on Workplace Presenteeism, Health Services and Outcomes Research Methodology 15(1): 37-53, DOI: 10.1007/s10742-014-0131-z

 

Hasengruber K., Aigner P. (2022). Afrikanische Familien mit Kindergartenkindern während der Coronakrise in Österreich – Eine Mixed-Methods-Studie. In S.G. Huber, C. Helm & N. Schneider (Hrsg.), COVID-19 und Bildung – Studien und Perspektiven. Münster, New York: Waxmann. (forthcoming)

 

Prandner, D. (2022). Zu Datengrundlage und Datenqualität: Methodische Reflexion zur quantitativen Erhebung während der Corona-Krise. In: Aschauer, W., Glatz, C., Prandner D. (Hrsg.), Die Österreichische Gesellschaft während der Corona-Pandemie. Wiesbaden: Springer VS, 327 – 250. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-34491-7_12, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster (online ab März 2022)

 

Prandner, D., Hasengruber, K. (2021). Embracing the digitalization of research education?  How social science research education was influenced by the COVID-19 pandemic. In: Domenech, J., de la Poza, E., Merello, P., Bramley, G., Zehetmeier, D.a (Hrsg.): HEAd’21 - Proceedings of the 7th International Conference on Higher Education Advances. Valencia: Universitat Politecnica de Valencia. 413-420. DOI: http://doi.org/10.4995/HEAd21.2021.12984, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster

 

Prandner, D., Hasengruber, K., Forstner, M. (2021). DATA SHARING 2020 - Datasharing und Datenmanagement in den österreichischen Sozialwissenschaften. Zenodo. DOI: https://doi.org/10.5281/zenodo.4561388, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster

 

Prandner, D., Seymer, A. (2020). Social Media Analysis. In: P. Atkinson, S. Delamont, A. Cernat, J.W. Sakshaug, & R.A. Williams (Hrsg.), SAGE Research Methods Foundations. Thousand Oaks: Sage Publishing. DOI: https://www.doi.org/10.4135/9781526421036921823, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster

 

Prandner, D., Weichbold, M. (2019). Building a Sampling Frame for Migrant Populations via an Onomastic Approach – Lesson learned from the Austrian Immigrant Survey 2016. Survey Methods: Insights from the Field, 1-16. DOI: https://www.doi.org/10.13094/SMIF-2019-00006, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster

 

Wetzelhütter D., Bacher J. (2015): How to Measure Participation of Pupils at School. Analysis of Unfolding Data Based on Hart’s Ladder of Participation. methods, data, analysis, 9 (1), 111-136. DOI: 10.12758/mda.2015.004 [Titel anhand dieser DOI in Citavi-Projekt übernehmen]

 

Soziale Surveys (SoWiDat-Österreich: Sozialwissenschaftliche Dateninfrastruktur, ISSP-Österreich, Sozialer Survey Österreich, VIC)

Im Rahmen des Projektes werden Daten im Zusammenhang mit den International Social Survey Programme (ISSP) in Österreich erhoben und analysiert. Ziel ist es, insgesamt vier ISSP Erhebungen durchzuführen und die gewonnenen Daten sozialwissenschaftlich zu analysieren. In den eingesetzten Erhebungsinstrumenten finden sich je nach Befragungszeitpunkt themenspezifische Fragen zu Einstellungen der österreichischen Bevölkerung. Darüber hinaus sind Fragenprogramme der ISSP-Erhebungen inkludiert, sodass Vergleiche mit europäischen und außereuropäischen Ländern möglich sind.

In der ersten Welle 2018 wurden die Themen soziale Netzwerke und Unterstützung, soziale Deprivation sowie Religion betrachtet.

Die Grundfinanzierung des Projekts erfolgt durch eine Förderung des BMWFW im Rahmen einer Kooperationsausschreibung für Hochschulraum-Strukturmittel (HRSM). Durchgeführt wird das Projekt als Kooperation zwischen den Universitäten Graz, Wien, Salzburg und Linz. Die Leitung obliegt der Universität Graz. Neben inhaltlichen Ergebnissen und Erkenntnissen zur Methodenforschung wird damit auch ein Beitrag zum Aufbau einer sozialwissenschaftlichen Dateninfrastruktur in Österreich geleistet.

Forschungsdokumentation der JKU: https://www.jku.at/forschung/forschungs-dokumentation/forschungsprojekt/4615/, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster

Laufzeit: 2018-2021

Finanzierung: BMWFW

Mitwirkende Abteilungsmitarbeiter/Kontaktpersonen: Robert Moosbrugger (Lead), Johann Bacher, Dimitri Prandner

Werteforschung - Messung von Wertorientierungen und Prüfung von Wertetheorien

Werte als Vorstellungen des Wünschenswerten spielen in der Soziologie und anderen Sozialwissenschaften eine zentrale Rolle für die Erklärung des Handelns von Menschen und Gruppen sowie für die Beschreibung von Gesellschaften und deren Wandel. Werte werden dabei oft als universell und transsituational betrachtet, d.h. es wird angenommen, dass sie in allen Gesellschaften anzutreffen sind und das Denken und Handeln in unterschiedlichen Lebensbereichen (Familie, Erwerbsarbeit, Freizeit, …) beeinflussen. Unterschiede zwischen Personen, Gruppen und Kulturen bestehen und drücken verschiedene Präferenzen derselben Grundwerte (Freiheit, Gleichheit, Sicherheit, Tradition usw.) aus. Im Falle von Personen werden die Präferenzen als Wertorientierungen bezeichnet. Von der erörterten Grundkonzeption von Werten geht beispielsweise der Sozialpsychologe Shalom Schwartz, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster in seiner Wertetheorie aus, die heute die Werteforschung weltweit prägt.

 

Mitarbeiter*innen der Abteilung beschäftigen sich in Kooperation mit Forscher*innen anderer Hochschulen seit 2015 mit unterschiedlichen Aspekten der Werteforschung. Zum einen werden die Grundannahmen der Wertetheorie von Schwartz und die Qualität der von ihm entwickelten Messinstrumente untersucht und evaluiert. Zum anderen findet eine Auseinandersetzung mit der Frage der Vermittlung von Werten (Wertetransmissionsforschung) statt. Jüngst wurde zudem begonnen, den Einfluss von Wertorientierungen auf das Handeln und die Sozialstruktur in bisher nicht erforschten Bereichen zu analysieren. Folgenden Fragestellungen wurde dabei in unterschiedlichen Projekten nachgegangen:

  • Sind die Grundannahmen von Schwartz über menschliche Grundwerte haltbar? Sind Werte tatsächlich transsituational und universell? Sind die von Schwartz vorgeschlagenen Messinstrumente geeignet, um Werte und Wertorientierungen zu messen?
  • Welche Bedeutung haben einzelne Sozialisationsinstanzen (Eltern, Freunde, Schule, ...) bei der Weitergabe von Werten?
  • Welchen Einfluss üben Werte auf das Handeln und die Sozialstruktur in bisher wenig beachteten Bereichen aus?

Als Datenbasis werden in den Forschungsprojekten Primärdaten aus standardisierten Befragungen und Sekundärdaten von nationalen und internationalen Surveys eingesetzt. Bei der Auswertung finden fortgeschrittene multivariate Verfahren Anwendung, zum Teil auch speziell für die Auswertung entwickelte statistische Maßzahlen und Computerprogramme.

Bisherige zentrale Ergebnisse unserer Forschung sind:

 

1. Die Wertetheorie von Schwartz und ihre Annahmen konnten bisher nicht widerlegt werden. Werte scheinen tatsächlich transsituational und universell zu sein.

 

2. Das von Schwartz entwickelte Messinstrument PVQ (Personal Value Questionnaire) misst valide. Es kann auch zur Messung der Werte von Organisationen weiterentwickelt werden.

 

3. Die für den PVQ bisher vorgenommene manuelle graphische Auswertung durch den Forscher/die Forscherin kann (teil-)automatisiert und standardisiert werden. Dazu wurde ein Computerprogramm mit dem Namen S-2D, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster entwickelt.

 

4. Familienmitgliedern (Eltern, Geschwistern) und der Peer-Gruppe kommt bei der Vermittlung von Werten eine zentrale Rolle zu. Der Einfluss der Schule in der Wertevermittlung ist derzeit gering, kann aber erhöht werden.

 

Bei dem Forschungsfeld handelt es sich um ein Kooperationsprojekt von

    Johann Bacher, Johannes Kepler Universität Linz JKU)

    Jacques de Wet, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, University of Cape Town (UCT)

    Heinz Leitgöb, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU)

    Chigozie Nnebedum, Godfrey Okoye University (GOU) und Johannes Kepler Universität Linz JKU)

    Daniela Wetzelhütter, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, University of Applied Sciences Upper Austria

 

An der Abteilung wirken mit: Johann Bacher, Martina Beham-Rabanser, Matthias Forstner, Chigozie Nnebdum, Dimitri Prandner

 

Laufzeit: ab 2015

 

Finanzierung: großteils Eigenprojekte

 

Auskunft und für den Inhalt verantwortlich: Johann Bacher

 

Bisherige Publikationen (Auswahl nach Jahr gereiht):

De Wet J., Bacher J., Wetzelhütter D., 2015: Towards greater validity in Schwartz’s portrait values indicator using experimental research, in Springer Netherlands. Quality and Quantity, Serie DOI 10.1007/s11135-015-0221-1.

 

De Wet J., Wetzelhütter D., Bacher J., 2018: Revisiting the transsituationality of values in Schwartz’s Portrait Values Questionnaire. Quality and Quantity, Vol. Online, doi.org/10.1007/s11135-018-0784-8, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster.

 

Bacher, J., Beham-Rabanser, M.; Prandner, D., 2019: Subjektiv erlebte Prägung der Werthaltungen durch nahe Bezugspersonen. In: Bacher, J. u.a. (Hg.): Sozialstruktur und Wertewandel in Österreich. Trends 1986 -2016. Wiesbaden-Springer VS, 71-94.

 

De Wet J., Wetzelhütter D., Bacher J., 2020: Standardising the reproduction of Schwartz’s two‑dimensional value space using multi‑dimensional scaling and goodness‑of‑fit test procedures. In Quality and Quantity, doi.org/10.1007/s11135-020-01041-2, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster.

 

Wetzelhütter, D., Nnebedum, C., De Wet, J., Bacher, J., 2020: Testing a Modified Version of Schwartz’s Portrait Values Questionnaire to Measure Organizational Values in a University Context. Journal of Human Values, 26 (3), 209-227.

 

Wetzelhütter, D., Bacher, J. De Wet, J. P., 2021: Das zweidimensionale Wertemodell von Shalom Schwartz: S2-D: Ein Computerprogramm zur Visualisierung von MDS-Ergebnissen des Portrait Value Questionnaire (PVQ-21). In: Reinecke, J. & Tarnai, C. (Hg.): Klassifikationsanalysen in den Sozialwissenschaften: Jubiläumsband "25 Jahre AKA-Rothenberge". Münster-Waxmann, 309-325

Arbeitsbedingungen und Gesundheit

Arbeitsbedingungen und Gesundheit

Erwerbsarbeit nimmt einen zentralen zeitlichen und inhaltlichen Stellenwert im Leben von Individuen ein. Erwerbsarbeit stellt damit eine bedeutende Quelle für Sinnstiftung, soziale Integration, Kompetenzerleben und Wohlbefinden dar. Zugleich ist empirisch hinreichend belegt, dass ungünstige Arbeitsbedingungen zu Fehlbelastungen, Überforderung und Stressreaktionen führen können, welche sich negativ auf die Befindlichkeit, Gesundheit und Lebenserwartung von Erwerbstätigen auswirken. Aufgrund des Strukturwandels der Arbeitswelt zeigt sich einerseits, dass gesundheitliche Folgen von physischen Arbeitsbelastungen und Arbeitsunfällen rückläufige Tendenzen aufweisen, andererseits psychische Arbeitsbelastungen und damit assoziiert Gesundheitsbeeinträchtigungen im Zunehmen begriffen sind.

 

Im Rahmen eines Forschungsschwerpunktes der Abteilung werden gesundheitliche Auswirkungen von Arbeitsbedingungen und Organisationsformen von Erwerbsarbeit auf Gesundheit und Wohlbefinden von Arbeitnehmer*innen untersucht. Grundlegendes Ziel dieser Forschung ist die sukzessive Identifikation organisatorischer und tätigkeitsbezogener Gestaltungsmerkmale, welche die Entfaltung positiver Effekte von Erwerbsarbeit begünstigen und negative Effekte von Arbeitsanforderungen reduzieren.

 

In unterschiedlichen Forschungsprojekten wird beispielsweise folgenden Fragen nachgegangen:

  • Welche organisationsbezogenen Rahmenbedingungen und welche Tätigkeitsmerkmale können zu einer Reduktion gesundheitsabträglicher Folgen von arbeitsbezogenen Stressoren beitragen?
  • Welche Rolle spielt die subjektive Bewertung von Stressoren für deren Auswirkungen auf die Gesundheit von ArbeitnehmerInnen und wodurch wird diese Bewertung moderiert?
  • Welche Motive und welche organisatorischen Rahmenbedingungen sind mit dem Entscheidungsverhalten zwischen Krankenstand und Präsentismus (Arbeit trotz einer Erkrankung, welche Krankenstand rechtfertigen würde) im Krankheitsfall assoziiert? 
  • Welche flankierenden Maßnahmen sind nötig, um negative Effekte neuerer Arbeitsformen wie Telework (z.B. Intensivierung, Zunahme von Präsentismus, Selbstüberforderung, Technostress oder soziale Isolation) zu vermeiden? 

 

Ausgewählte Ergebnisse bisheriger Forschung:

- Frühere Forschungsresultate zeigten, dass zeit- und ortsflexible Arbeitsformen, wie Homeoffice mit einer höheren Neigung zu Präsentismus einhergehen. Aus bisheriger Forschung ist ebenfalls gut belegt, dass Präsentismus im Zeitverlauf negative psychische und physische Gesundheitsfolgen für Beschäftigte hervorrufen kann. Auf Basis von Befragungsdaten, die während der Covid-19 Krise erhoben wurden, konnte gezeigt werden, dass Homeoffice nicht zwangsläufig zu einer höheren Präsentismusneigung führt. Es zeigen sich vielmehr Hinweise dafür, dass indirekte Steuerungsformen (Management by Objectives, Zielsteuerung, Performance Measurement) eine kompensatorische Nutzung von Homeoffice (zusätzliche Arbeiten nach Dienstende, Arbeiten an freien Tagen, dauerhafte Erreichbarkeit) begünstigt, welches unter anderem auch Arbeiten trotz Erkrankung fördert.

 

- Zur Beurteilung des Gefährdungspotenzials von Arbeitsbedingungen werden in den Arbeitswissenschaften häufig a priori Annahmen darüber getroffen, welche Anforderungsarten entweder als positiv ("challenge Stressoren") oder negativ ("hindrance Stressoren") hinsichtlich gesundheitlicher Auswirkungen zu klassifizieren sind. Challenge-Stressoren sind Anforderungen, die potenziell belastend sein können, jedoch auch persönlichen Nutzen und inhaltliche Bereicherung ("gain") beinhalten können. Als Hindrance-Stressoren werden dagegen jene belastenden Tätigkeitsmerkmale bezeichnet, welche mit persönlicher Zielerreichung im Widerspruch stehen oder diese behindern.

 

Forschungsresultate der Abteilung zeigen dagegen, dass sich derartige exklusive a priori Klassifizierungen nur bedingt mit Bewertungen von ArbeitnehmerInnen decken. Anforderungen werden in variierendem Ausmaß sowohl als Challenge als auch Hindrance wahrgenommen. Weiters können Annahmen der transaktionalen Stresstheorie bestätigt werden, wonach Gesundheitseffekte von Arbeitsanforderungen primär in Abhängigkeit von deren subjektiver Bewertung zu sehen sind. Die Forschungsresultate legen allerdings auch nahe, dass die Bewertung von Stressoren durch Arbeitnehmer*innen von organisatorischen Randbedingungen (z.B. Organisationsklima, Management-Strategien, Ausmaß sozialer Unterstützung) abhängen und nicht ausschließlich durch unterschiedliche individuelle Dispositionen zu erklären sind.    

 

 

Finanzierung: Eigenprojekte sowie Kooperationsprojekte mit Arbeiterkammer OÖ, OÖGK.

Auskunft und für den Inhalt verantwortlich: Joachim Gerich (joachim.gerich@jku.at)

 

Publikationen aus diesem Forschungsschwerpunkt (ab 2015):

Gerich, J., Lehner, R. (2022). Escape or activate? Pathways of work stress on substance use. Work. A Journal of Prevention, Assessment & Rehabilitation. doi: 10.3233/WOR-211281 (in press).

 

Gerich, J. (2021). Home-based telework and presenteeism: new lessons learned from the Covid-19 pandemic. Journal of Occupational and Environmental Medicine, doi: 10.1097/JOM.0000000000002414.

 

Gerich, J. (2020). Organisationale Kontextmerkmale als Erklärungsfaktoren von Präsentismusmotiven und Präsentismusverhalten? Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation 33(1), 69-80.

 

Ruhle, S. A., Breitsohl, H., Aboagye, E., Baba, V., Biron, C., Correia Leal, A. C., Dietz, C., Ferreira, A., Gerich, J., Johns, G., Karanika-Murray, M., Lohaus, D., Løkke, A., Lopes, S. L. , Martinez, L. F., Miraglia, M., Muschalla, B., Poethke, U., Sarwat, N., Schade, H., Steidelmüller, C., Vinberg, S., Whysall, Z., Yang, T. (2020). “To work, or not to work, that is the question” – Recent trends and avenues for research on presenteeism. European Journal of Work and Organizational Psychology 29(3), 344-363, doi.org/10.1080/1359432X.2019.1704734.

 

Gerich, J., Weber, Ch. (2020). The ambivalent appraisal of job demands and the moderating role of job control and social support for burnout and job satisfaction. Social Indicators Research 148(1), 251-280, doi: 10.1007/s11205-019-02195-9.

 

Gerich, J. (2019). Sickness presenteeism as coping behavior under conditions of high job control. German Journal of Human Resource Management, 33(2): 96-112, doi:10.1177/2397002218794837.

 

Gerich, J. (2019). Out of control: Arbeitsbezogene Handlungsautonomie als salutogene Bedingung oder Gesundheitsrisiko? In: Griesbacher, M.; Hödl, J.; Muckenhuber, J.; Scaria-Braunstein, K. (Hrsg.) Intensivierung der Arbeit. Perspektiven auf Arbeitszeit und technologischen Wandel. Wien: New Academic Press, 87-100.

 

Gerich, J. (2017). The Relevance of challenge and hindrance appraisals of working conditions for employees' health. International Journal of Stress Management, 24(3): 270-292, doi: 10.1037/str0000038 .

 

Gerich, J. (2016). Determinants of Presenteeism Prevalence and Propensity: Two Sides of the same Coin? Archives of Environmental and Occupational Health 71 (4): 189-198, DOI: 10.1080/19338244.2015.1011268 .

 

Gerich, J. (2016). Challenge und Hindrance Appraisal psychischer Arbeitsbelastungen als Indikatoren des betrieblichen Gesundheitsmanagements. In: Pfannstiel, M.A., Mehlich, H. (Hrsg.): Betriebliches Gesundheitsmanagement. Konzepte, Maßnahmen, Evaluation. Wiesbaden: Gabler, 137-150.

 

Gerich, J. (2015). Leaveism and illness-related behaviour. Occupational Medicine 65 (9):746-752, doi: 10.1093/occmed/kqv125.

 

Gerich, J. (2015). Krankenstand und Präsentismus als betriebliche Gesundheitsindikatoren. Zeitschrift für Personalforschung 29(1):31-48, DOI: 10.1688/ZfP-2015-01.

 

Gerich, J. (2015). Sick at Work: Methodological Problems with Research on Workplace Presenteeism. Health Services and Outcomes Research Methodology 15(1): 37-53, DOI: 10.1007/s10742-014-0131-z.

 

Migration, Bildung und Arbeitsmarkt

Migration, Bildung und Arbeitsmarkt

Mehr als 280 Millionen Menschen weltweit leben heute außerhalb ihrer Herkunftsregionen – und die Tendenz ist steigend (UN 2020). Vor allem Arbeitsmigrationen, aber auch Fluchtmigrationen tragen bis dato zur Steigerung der Migrant*innenpopulationen weltweit, in Europa – und infolge auch in Österreich – bei. Im Jahr 2021 hatten etwa 24 % der österreichischen Bevölkerung einen Migrationshintergrund (Bezug: erste und zweite Generation).

Chancengleichheit im Bildungsbereich ist als Grundvoraussetzung für eine gelungene und erfolgreiche Integration von Migrant*innen anzusehen, das Bildungssystem nimmt daher eine Schlüsselposition für die erfolgreiche Integration von Migrant*innen ein. Darüber hinaus resultiert eine gelungene Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund in sozioökonomischer Aufstiegsmöglichkeit und fördert die aktive Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen. Daher stellen der Bildungsbereich, Arbeitsmarkt und Erwerbstätigkeit wichtige Forschungsfelder im Bezug zu Migrationsforschung und Migrationssoziologie dar.

Folglich bilden die drei Themenfelder Migration – Bildung – Arbeitsmarkt Forschungsschwerpunkte der Abteilung. In älteren Arbeiten stand dabei unter Nutzung von Daten aus nationalen und internationalen Bildungsstudien (z.B. PISA, PIRLS) die Analyse von Bildungsungleichheiten allgemein im Vordergrund. Weiters schlossen sich Arbeiten zur Ausgrenzungsgefährdung von Jugendlichen an, mit dem Schwerpunkt auf Jugendarbeitslosigkeit und NEET-Situation. Etwas verzögert kam die Migrationsforschung hinzu, wobei hier zunächst nicht Jugendliche, sondern Erwachsene im Vordergrund der Forschung standen. Erst in jüngster Zeit fand eine stärkere Verzahnung der drei Forschungsfelder statt. Hinzu kam außerdem die Elementarpädagogik als Forschungsfeld. Auf theoretischer Ebene wird an der Weiterentwicklung von Theorien der Bildungsungleichheiten sowie der Migration und Integration gearbeitet.

Aktuelle Forschungsgebiete der Abteilung, die im Schnittpunkt der drei Themenfelder mit Fokus Migration angesiedelt sind, sind:

  • Arbeitsmarktintegration von MigrantInnen & Flüchtlingen (u.a. mit Fokus auf die COVID19 Pandemie Situation)
  • Selbstständig Erwerbstätige mit Migrations – und/oder Flüchtlingshintergrund (u.a. mit Fokus auf die COVID19 Pandemie Situation)
  • Migration und Bildung (u.a. Auswirkungen von coronabedingten Schulschließungen auf Familien mit Migrations- und/oder Flüchtlingshintergrund im Bereich Bildung)

 

Zu diesen Themenbereichen werden aktuell u.a. folgende Forschungsfragen behandelt:

  • Welche Erfahrungen haben Familien mit Migrationshintergrund mit dem Homeschooling während der COVID19 Lockdowns gemacht?
  • Wie hat sich die COVID 19 Krise auf Migrant*innen und Flüchtlinge im Bereich Arbeitsmarktintegration ausgewirkt?
  • Wie hat sich die COVID 19 Krise auf selbstständig Erwerbstätige mit Migrationshintergrund ausgewirkt?

Die oben genannten Forschungsansätze und zu Grunde liegenden Forschungsfragen werden unter Anwendung von qualitativen Forschungsmethoden (z.B.: Semi-strukturierte Leitfadeninterviews, ExpertInneninterviews) und zum Teil unter Anwendung des Methodenmixes durchgeführt.

Ausgewählte Ergebnisse:

Studien zu Bildung unter COVID19 Bedingungen und deren Auswirkungen auf Familien mit Migrations- und/oder Flüchtlingshintergrund zeigen, dass der elterliche Bildungs- und sozioökonomische Hintergrund, nicht aber der Migrationshintergrund die Erfahrungen der Familien im Homeschooling maßgeblich beeinflusst(e). Eine geringe Sprachkompetenz der Eltern erschwerte die elterlichen Unterstützungsleistungen, ältere Geschwister übernahmen häufig Hilfestellungen für jüngere Geschwister. Außerdem führten fehlende Endgeräte zu weiteren Einschränkungen derTeilhabemöglichkeiten am Homelearning. Es ist anzunehmen, dass bestehende Dynamiken der Benachteiligungen im österreichischen Bildungssystem während und durch die COVID19 Pandemie weiter verstärkt wurden.

Im Kontext der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen zeigt(e) sich bisher, dass bereits vor der Pandemie bestehende Barrieren der Arbeitsmarktintegration für Flüchtlinge verstärkt wurden, besonders betroffen waren Frauen mit Flüchtlingshintergrund.

Finanzierung: u.a. Land OÖ; ÖIF (österreichischer Integrationsfond); z.B.: in Kooperation mit der WKOÖ; JKU Business School.

Mitwirkende der Abteilung: 

- Petra Aigner

- Johann Bacher

- Katrin Hasengruber

- Chigozie Nnebedum

- Robert Mossbrugger

 

Ausgewählte Publikationen

Aigner, P., Bešić, A. (2022) Left to Their Own Devices: Refugees’ Labour-Market Integration Challenges in Austria during the COVID-19 Pandemic; In: King, R. etal. (eds.) Anxieties of Migration. London: Springer. (forthcoming).

Aigner, P. (2018) Multidimensionale Betrachtungsweisen zu Ethnic Entrepreneurship. Wien. PeterLang.

Bacher, J. & Moosbrugger, R. (2021). Schrumpfende Bildungserträge in der Mitte. In R. Verwiebe & L. Wiesböck (Hrsg.), Mittelschicht unter Druck (S. 79-109). Wiesbaden: Springer VS.

Bacher, J., Hasengruber, K. & Moosbrugger, R. (2020). Corona, PISA, Homeschooling und fehlender Sozialindex. In T. Schmidinger & J. Weidenholzer (Hrsg.), Virenregime. Wie die Coronakrise unsere Welt verändert. Befunde, Analysen, Anregungen (S. 401-411). Wien: bahoe books.

Bacher J., (2020) NEET-Jugendliche in Österreich: Problemausmaß, volkswirtschaftliche Kosten und Handlungsempfehlungen. Momentum Quarterly, 9 (1), 18-34

Bacher J., Fiorioli E., Moosbrugger R., Nnebedum C., Prandner D., Shovakar N. (2019) Integration of refugees at universities: Austria’s more initiative. Higher Education 79, 943-960

Bacher, J. & Moosbrugger, R. (2019). Bildungsabschlüsse, Bildungsmobilität und Bildungsrenditen: Entwicklungen. In J. Bacher, A. Grausgruber, M. Haller, F. Höllinger, D. Prandner & R. Verwiebe (Hrsg.), Sozialstruktur und Wertewandel in Österreich. Trends 1986-2016 (S. 131-154). Wiesbaden: Springer VS.

Bešić, A., Diedrich, A. & Aigner, P. (2021) Organising labour market integration support for refugees in Austria and Sweden during the Covid-19 pandemic. Comparative Migration Studies 9, 48.

Hasengruber K., Aigner P. (2022) Afrikanische Familien mit Kindergartenkindern während der Coronakrise in Österreich – Eine Mixed-Methods-Studie. In S.G. Huber, C. Helm & N. Schneider (Hrsg.), COVID-19 und Bildung – Studien und Perspektiven. Münster, New York: Waxmann. (forthcoming)

Hasengruber, K., Weber, C. (2021): Heterogenitätsmerkmal Sozialstatus - Herausforderungen durch soziale Heterogenität auf unterschiedlichen Ebenen. In: Erziehung & Unterricht (3-4), 223-231.

Moosbrugger, R., Bacher, J., Kupfer, A. & Prandner, D. (2019). Bildungsarmut und politische Teilhabe. In G. Quenzel & K. Hurrelmann (Hrsg.), Handbuch Bildungsarmut (S. 555-583). Wiesbaden: Springer VS.

Moosbrugger, R. & Bacher J. (2018). The End of Educational Mobility: Toward a Two-Class Structure in Austria’s Educational System? International Journal of Sociology, 48(3), 274-293.

Tamesberger D., Bacher J., (2021) Jugendarbeitslosigkeit und Jugendbeschäftigung in der Corona-Krise 2020. WISO 44 (1), 33-61

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