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Die Johannes Kepler Universität.

Eine lange und bewegte Geschichte

Die Bestrebungen, in Linz eine höhere bzw. hohe Schule zu gründen, reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Auf eine Landschafts- und Lateinschule folgt ein „k.k. Lyceum“, das 1849 wieder aufgelöst wird. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es von Linz aus immer wieder Initiativen, u.a. eine Universität mit juridischen und medizinischen Studien, eine Technische oder eine Medizinische Hochschule zu gründen. In der NS-Zeit schließlich werden große Pläne zur Errichtung einer Technischen Hochschule in der damaligen „Führerstadt“ ausgearbeitet. Umgesetzt wird jedoch nur ein „Provisorium“ im Stift Wilhering, sieben Kilometer von Linz entfernt.

Ab 1949 wird die Installierung eines technischen Studiums in Linz als Expositur einer Technischen Hochschule angestrebt, jedoch über Jahre ohne Erfolg. Darauf folgt mit Herbst 1954 allmählich eine Umorientierung auf eine „Hochschule neuer Art“, die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften geraten immer stärker ins Blickfeld. Im März 1959 wird zu diesem Zweck ein eigenes Kuratorium gegründet, aus dem drei Jahre später der Linzer Hochschulfonds entsteht. Er wird mit der gesetzlichen Gründung der Linzer Hochschule 1962 eingerichtet und leistet auch heute noch einen Beitrag zum Ausbau und zum Betrieb der Universität.

8. Oktober 1966 – ein denkwürdiges Datum

Am 8. Oktober 1966 wird die Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften feierlich eröffnet: Vor Tausenden Menschen übergeben die Hochschulfonds-Präsidenten Landeshauptmann Heinrich Gleißner und Bürgermeister Edmund Aigner am Linzer Hauptplatz den Schlüssel der Hochschule an Rektor Ludwig Fröhler. Anschließend kommt es im Hörsaal 1 zur offiziellen Eröffnung durch Bundespräsident Franz Jonas.

Zwei Tage später nimmt die Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaftliche Fakultät den Studienbetrieb auf. Im Herbst 1968 konstituiert sich die Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät (TNF), im Wintersemester 1969/70 startet der Lehr- und Forschungsbetrieb – u.a. erstmals in Österreich mit Informatik. Die Österreichische Hochschülerschaft beginnt ihre Aktivitäten am Campus, auf die Forderung nach Mitbestimmung wird der Hochschulkonvent eingerichtet.

Im Oktober 1975 tritt das Universitäts-Organisationsgesetz in Kraft, womit die die Linzer Hochschule nun auch über eine Rechtswissenschaftliche Fakultät verfügt, zur Universität wird und sich „Johannes Kepler Universität“ nennt. Es kommt zu einer Reform der Verwaltungsstrukturen, die Mitbestimmung von AssistentInnen, Studierenden und Verwaltungsbediensteten auf allen universitären Ebenen wird eingeführt.

1977 wird der TNF-Turm zum Teil in Betrieb genommen und im November 1978 schließlich offiziell eröffnet. In den folgenden Jahren kommt es zum weiteren Ausbau der Universität, es entstehen u.a. die Bibliothek (1984), das Laborgebäude für Mikroelektronik (1985) und das Managementzentrum (1991). Parallel wächst die Zahl der Inskribierten stetig und durchbricht im Wintersemester 1984/85 die 10.000er-Marke.

Softwarepark Hagenberg nimmt Gestalt an

1987 wird das Forschungsinstitut für Symbolisches Rechnen (RISC) gegründet, zwei Jahre später bezieht es das renovierte Schloss Hagenberg (Bezirk Freistadt) im Mühlviertel. Um das RISC siedeln sich in weiterer Folge andere Institute, eine Fachhochschule und Unternehmen an, sie bilden gemeinsam den heutigen Softwarepark Hagenberg. Ab 1990 wird an der Johannes Kepler Universität Linz das weltweit erste reine Mechatronikstudium angeboten.

Mit Beginn der 1990er-Jahre forciert die JKU internationale Kooperationen, 1996 wird ein eigener Vizerektor für Auslands- und Außenbeziehungen installiert. Bereits 1991 richtet das Wissenschaftsministerium an der JKU das Zentrum für Fernstudien ein, es ermöglicht Interessierten den Zugang zur Fernuniversität Hagen. 1992 wird das Linzer Zentrum für Supercomputing (LIZENS) eröffnet, im selben Jahr entsteht am Campus ein österreichisches Zentrum der universitären Halbleiterforschung.

Im Wintersemester 1996/97 implementiert die JKU als eine der ersten Hochschulen das Universitäts-Organisationsgesetz 1993, das die universitäre Autonomie enorm erhöht. Bestehende Kooperationen werden dadurch intensiviert, der Spezialforschungsbereich „Numerical and Symbolic Scientific Computing“, mehrere Kplus-Zentren, das Johann Radon Institute für Angewandte Mathematik und weitere Christian Doppler Labore – u.a. als Drittmittelprojekte – entstehen.

Es folgen weitere bauliche Maßnahmen: 1997 geht das Bankengebäude in Betrieb und 2003 das Hochschulfondsgebäude. Nach einer tiefgreifenden Studienrechtsreform treten in den Jahren 2000 bis 2003 neue Studienpläne in Kraft. Parallel werden die Fakultätsstrategien und die Gesamtstrategie für Forschung, Lehre und Weiterbildung ausgearbeitet. Sie definieren, das Inkrafttreten des Universitätsgesetzes 2002 vorwegnehmend, die künftigen Exzellenz- und Aufbauschwerpunkte.

Vorreiterin bei neuen Studien,
Frauenförderung und Gender Studies

Bei Innovationen in der Administration ist die JKU Vorreiterin: Im Wintersemester 1998/99 wird die KeplerCard, der erste Studierendenausweis als Chipkarte, eingesetzt. Im Herbst 2003 eröffnet die Kepler Universität Österreichs ersten Wireless-Campus. 2002/03 wird das europaweite Multimedia-Diplomstudium der Rechtswissenschaften eingeführt.

Ihre gesellschaftspolitischen Schwerpunkte legt die JKU auf Frauenförderung und Gender Studies sowie Integration und Förderung beeinträchtigter Personen. 2000/01 werden das interfakultäre Institut für Frauen- und Geschlechterforschung und die Stabsstelle für Frauenförderung eingerichtet. Später folgt das Institut „Integriert Studieren“. Ende 1999 wird der Verein FORUM Studium & Beruf gegründet, zwei Jahre später erfolgt die Umbenennung in „Kepler Society“, im Herbst 2004 öffnet das Karrierecenter am Campus.

 

Science Park, neue Rechtsform und Reform des Studienangebots

2003 startet der Masterplan für den Science Park. Er vereint Forschung und Entwicklung in Mechatronik, Informatik und anderen naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen und beherbergt PartnerInnen der JKU. Im Frühjahr 2007 wird mit dem Bau des ersten Teils begonnen, der 2009 feierlich eröffnet wird. Zwei weitere Bauteile folgen, zwei zusätzliche sind in Planung.

Mit Beginn des Jahres 2004 wird die Johannes Kepler Universität Linz per Gesetz aus der Bundesverwaltung ausgegliedert und in die Rechtsform einer juristischen Person öffentlichen Rechts gebracht. Dadurch entsteht ein großer autonomer Gestaltungsspielraum, die Mitbestimmung hingegen wird legistisch reduziert. Die Reorganisation der JKU konzentriert und zentralisiert Leitung und Verwaltung, eine Studienadministration wird installiert. Ab 2004 werden zudem interuniversitäre Studien angeboten.

Die Rechtswissenschaftliche Fakultät entwickelt neue Studien. Die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche sowie die Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät reformieren ihr Angebot gemäß Bologna.

 

Virtual Reality Center, Austrian Grid, MACH und Austrian Business School

2004 eröffnet das Virtual Reality Center. Ein Jahr später wird mit Austrian Grid eines der leistungsstärksten Grid-Computing-Systeme Europas in Betrieb genommen und 2011 um die Großrechenanlage MACH aufgerüstet. Die Zahl der Christian Doppler Labore erhöht sich weiter, zusätzliche Forschungszentren und -labore entstehen. Die Ende der 1980er-Jahre gegründete Linzer Internationale Management Akademie – LIMAK wird 2005 zur Johannes Kepler University Business School. 2009 wird gemeinsam mit der Fachhochschule Oberösterreich die LIMAK Austrian Business School eingerichtet.

 

Ausbau der Exzellenzfelder und bauliche Erweiterungen

Der Entwicklungsplan der JKU 2006-2012 legt mittelfristige Exzellenz- und Aufbauschwerpunkte der Forschung fest, der Entwicklungsplan 2013-2018 behält sie weitgehend bei und clustert sie in weitere Exzellenzfelder. 2006 startet der Aufbau des neuen Forschungsschwerpunktes Polymerchemie im Fachbereich Chemie und seine Erweiterung um die Kunststofftechnik.

Die bauliche Erweiterung am Campus wird 2010 mit einem Zubau für eine moderne Zentralbibliothek der Rechtswissenschaften beim sanierten Juridicum fortgesetzt (2010), zudem bedingt die stark wachsende Studierendenzahl zwei Jahre später einen Zubau an die Mensa. Der Erweiterungsbau für das RISC in Hagenberg wird 2013 fertiggestellt und eröffnet.

Medizinische Fakultät startet

Nach zahlreichen Anläufen entsteht schließlich 2012 das „Linzer Modell einer Medizinischen Fakultät an der JKU“, zwei Jahre später nimmt sie den Betrieb auf. Aktuell liegt die Zahl der jährlich hinzukommenden StudienanfängerInnen bei 60, im Vollausbau werden es 300 sein. Im kommenden Jahr soll mit dem Med Campus im Zentrum von Linz begonnen werden, die Fertigstellung ist für 2021 vorgesehen.

 

Neue PädagogInnenausbildung

2016/2017 wird zudem im Rahmen des „Clusters Mitte“ mit der neuen PädagogInnenausbildung begonnen. Die Johannes Kepler Universität Linz bringt darin einerseits ihre Kompetenzen im Bereich der MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Physik und Chemie ein. Andererseits beteiligt sie sich am „Lehramt NEU“ auch mit Unterrichtsangeboten entlang ihrer bisherigen sozial-, wirtschafts- und kulturwissenschaftlichen Felder (Geschichte/Sozialkunde/Politische Bildung, Psychologie und Philosophie, Geographie und Wirtschaft sowie Englisch).

Campusattraktivierung: JKU als Lern-,
Arbeits- und Lebensraum

Auch der JKU-Campus wird neu gestaltet und damit das Selbstverständnis eines Lern-, Arbeits- und auch Lebensraums untermauert. Die Gesamtinvestition von rund 30 Millionen Euro sieht die Erhöhung des TNF-Turms um eine Aussichtsplattform einen Thinktank, die Erweiterung der Bibliothek, das neue Veranstaltungszentrum Kepler Hall sowie zusätzliche Sport- und Freizeitflächen vor.

Quellen:

Maria Wirth, Andreas Reichl u. Marcus Gräser, 50 Jahre Johannes Kepler Universität Linz. Eine "Hochschule neuen Stils", Wien/Köln/Weimar 2016.

Maria Wirth, Andreas Reichl u. Marcus Gräser (hg.), 50 Jahre Johannes Kepler Universität Linz. Innovationsfelder in Forschung, Lehre und universitärem Alltag, Wien/Köln/Weimar 2017.

Johannes Kepler Universität Linz (Hg.) u. Johann Drachsler (Red.), Die Johannes Kepler Universität Linz 1966-2000, Linz 1999.

Hanns Kreczi, Der Linzer Hochschulfonds. Werden und Aufbau der Johannes.Kepler-Universität Linz. Dokumentationsschrift Linzer Hochschulfonds aus Anlass des 10jährigen Bestehens der Hohen Schulen in Linz, Linz 1976.

Gustav Otruba (Red.), Johannes Kepler Universität Linz. Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Linz 1976.

Linzer Hochschulfonds (Hg.), Eröffnungsschrift Hochschule Linz, Linz 1966.